Chico und seine Familie in Hannover - eine große Tragödie

Feuerwolf
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Chico, ein Staff-Mix, hat letzte Woche seine beiden Besitzer getötet, eine 52-järige Frau im Rollstuhl sitzend, nachdem ihr Ex-Ehemann nach der Einreichung der Scheidung ihr so schwer mit einer Axt auf den Kopf gehauen hat, dass sie für immer schwer behindert und an den Rollstuhl gefesselt war, und ihren 27-järigen, ebenfalls behinderten Sohn.

2011 war Chico schon einmal auffällig gewesen. Ein Gericht hat die Begutachtung und ein Haltungsverbot des Hundes für die Beiden ausgesprochen. Umgesetzt wurde es nie von den Behörden. Das gab heute die Stadt Hannover als zuständige Behörde zu. Es seien schwerwiegende Versäumnisse gemacht worden. 3 Stellungsnahmen gingen damals an die Veterinärbehörde, von der gesetzlichen Familienbetreuerin , einem Psychiatriegutachten und einem Hundetrainer.

Neben rechtlichen Konsequenzen für die Stadt Hannover und ihrer Behörde stehen auch arbeitsrechtliche Konsequenzen im Raum für zuständige Mitarbeiter, die noch heute z.T. dort arbeiten sollen.

Hier der ganze Link dazu:

http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Chico-Stadt-raeumt-schwere-Versaeumnisse-ein,hund1462.html

Heute sollte Chico eigentlich eingeschläfert werden. Da sich aber Tierschützer mit einer Petition bei Change. org massiv dagegen gewehrt hatte, wird nun, auf Vorschlag des Tierheimes in dem Chico z.Zt. untergebracht ist, eine Alternative geprüft. Eine spezieller Gnadenhof für auffällig gewordene Tiere, der allerdings nicht in Niedersachsen liegt.

"Lasst Chico leben" haben bisher 255.762 Menschen unterzeichnet.
Meines Wissens nach auch einige DS-User incl. mir.

Ursprünglich sollte Chico laut Stadt Hannover heute eingeschläfert werden....selbstverständlich sollte er jetzt sofort eingeschläfert werden.....man kam aber zu dem Schluß, dass man sich damit den Unmut etlicher Bürger auf sich ziehen würde, hat gestern zum Glück für Chico seine Meinung geändert und prüft jetzt eben diesen speziellen Gandenhof.

Eine Tragödie für alle Beteiligten ...seit Jahren und bis heute.....nur Chico war eben m.M.n. nicht Schuld.

Er hat eine massive Schwellung im Maulbereich, schon seit der Auffindung in der Wohnung, die jetzt medikamentös behandelt wird.
Gehalten wurde er zum Großteil in einem Stahlkäfig in der Wohnung der Besitzer, selten kam er raus zum Gassigang.Eein Hundehaufen wurde von der Polizei an besagtem Tag auf dem Balkon gefunden.
Zuletzt geändert am 09.04.2018 17:32 Uhr
Sandmann
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+ 1
Jaaaaaaa, er hat noch eine Chance !!! Viele wünschen es ihm von ganzem Herzen ..... ich auch
christianeadler
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+ 2
Vielleicht gelingt es der Technik, den Ursprungsthread wieder herzustellen. Hier ist aber nochmal eine Zusammenfassung der Vorgeschichte zu lesen:

http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Das-Drama-um-Hund-Chico-und-seine-Besitzer

Die Ursache für den tödlichen Angriff, jetzt nach sieben Jahren schlechter Haltung, wird sich wahrscheinlich nie mehr ganz klären lassen. Bei der Pressekonferenz heute Nachmittag sprach die Amtsveterinärin aber an, dass der Hund im Maulbereich wohl wegen seiner Schmerzen äusserst empfindlich auf Berührungen reagierte.

Es ist zwar aus meiner Sicht schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, dass "gravierende Versäumnisse" aus dem Jahr 2011 eingestanden wurden. Ich habe mich aber bei der gut besuchten Pressekonferenz gewundert, warum keiner der anwesenden Reporter die Jahre seitdem angesprochen hat. Nicht nur das Pflegepersonal und die Betreuer, sondern auch die Mutter hatten Angst vor dem Hund. Beide Menschen standen unter amtlicher Vormundschaft. Damit waren sie mMn für Chicos Haltung nicht verantwortlich. Warum dann in sieben Jahren kein weiterer Anlauf unternommen wurde, den Hund einzuziehen, ist für mich ein weiteres "gravierendes Versäumnis". Man hätte Mensch und Hund viel ersparen können.
Leben ist das, was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. (John Lennon)
Zuletzt geändert am 09.04.2018 18:56 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20872
Da schließe ich mich an.
Die auslösende Situation für die Beißattacke kennen wir nicht und werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Es könnte sich auch um einen unabsichtlichen Stoß bzw. eine unabsichtliche schmerzhafte Berührung handeln.
Immerhin wurde in den sieben Jahren zwischen 2011 und 2018 kein Zwischenfall bekannt, über den gesamten Zeitraum hinweg war der Hund amtlich „unauffällig“, und so wurde er ja auch von der Tierschutzinspektorin begutachtet.
Dass trotz Hinweisen bzw. Beschwerden von anderen Mietern und der Hauspflegerin der Diakonie, den negativen Stellungnahmen der Hundetrainerin und des Psychiatrischen Dienstes dies so Bestand hatte, spricht mMn dafür, dass amtlicherseits (Vormundschaft) ein Entscheider seine schützende Hand darüber gehalten hat. Die Mutter mag den Hund gefürchtet haben, aber mehr noch fürchteten Mutter und Sohn wahrscheinlich die Heimeinweisung.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 464
Ja Shibaherz, das könnte sein, das eine Heimeinweisung im Raum stand, lieber die Angst vor dem Hund, was sie geglaubt haben ihn zu bändigen, als eingewiesen zu werden. Nachdem ich das Video von Feuerwolf angesehen habe und im TV über die Art und Weise, wie das Verterinäramt üblich arbeitet, wundert es mich nicht, das der Hund bei den HH geblieben ist....
Auf mich machen die Bilder schon den Eindruck, dies ist ein total unglücklicher Hund, der wohl Schmerzen hat.
Ich freue mich, das nun noch intensiv überprüft wird, wie es weitergehen kann....
Feuerwolf
  • Begleithund
Beiträge: 1074

"Lasst Chico leben"

Die gesetzlichen Betreuung hat auch versucht etwas gegen die Haltung des Hundes der Beiden zu unternehmen.
Daher haben ja auch schon öfter die Betreuer gewechselt, wohl nicht nur die Pflege. Und was soll ein Pflegedienst dagegen tun?

Ich glaube nicht, dass unbedingt ein Heimaufenthalt angestanden hat gegen den Willen der Betroffenen. So einfach geht das nicht, ob nun Hund her oder hin.

Ich könnte mir eher vorstellen, aber das ist auch nur eine Vermutung, denn fragen können wir die Beiden nicht mehr, dass die Angst vor dem gewaltätigen Ex-Ehemann im Vordergrund gestanden hat bei der Haltung von Chico.

So liest es sich für mich auch aus dem von Christiane eingestellten Link heraus.

Jedenfalls unterschreiben immer noch viele Menschen die Petition bei Change .org.

Chico kann man noch helfen. Den anderen beiden Opfern nicht mehr, leider.
Shibaherz
Beiträge: 20872
Die nicht grundlos WECHSELNDEN Betreuer haben versucht, etwas gegen die Haltung des Hundes zu unternehmen.
Sie sind aber bei der Amtsvormundschaft selbst, nach ihren eigenen Worten, gegen eine Wand gelaufen.
Den Dissens gab es wahrscheinlich auch zwischen der Amtsvormundschaft und dem Veterinäramt.

Klar kann man den Toten nicht mehr helfen.
Wenn man aber aus der Tragödie etwas lernen will, dann stellt sich unabweisbar, wie von Christiane angesprochen, die Frage nach der Verantwortung. Nicht nur dem Hund, auch den Menschen gegenüber. So wenig der Hund verantwortlich ist, so wenig kann man die zwei unter Betreuung stehenden Menschen für ihren schrecklichen Tod verantwortlich machen.

Wem sich der Zusammenhang mit Angst vor Heimeinweisung nicht erschließt:

- ANGESCHAFFT wurde der Hund, der nach dem Willen des Sohnes SCHARF SEIN SOLLTE, aus Angst vor dem extrem gewalttätigen Vater.

- Mutter und Sohn waren einander innig verbunden und wollten nicht getrennt werden. Sie wollten sicher unbedingt weiter in der gemeinsamen eigenen Wohnung zusammen leben. Es ist aber fraglich, ob sie zu eigener Haushaltsführung noch imstande waren.

- auch nachdem der Ex/Vater in den Kosovo abgeschoben wurde, wurde der Hund weiterhin sozusagen gegen die eigene Lebensangst instrumentalisiert. Der Hund hat aber evtl. den Sohn wegen dessen Krankheit, Behinderung und Kleinwüchsigkeit nicht oder immer weniger als "Führer" akzeptiert.


P.S. @Feuerwolf: Den Link, den Christiane eingestellt hat, hatte ich in dem alten thread bereits in meinem 2. Beitrag eingestellt. Wurde sicher übersehen

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 09.04.2018 21:17 Uhr
Feuerwolf
  • Begleithund
Beiträge: 1074
@Shibaherz: Was meinst Du genau mit Betreuer und Amtsvormundschaft?

Es gibt keine Amtsvormundschaft mehr sehr vielen Jahren schon nicht mehr. Es heisst heute Betreuer.

Es gibt ein Vormundschaftsgericht beim Amtsgericht, welches, bzw. ein Richter, einen Betreuer ernennt oder "bestellt".

Nicht jeder Betreuer hat automatische die gesamte Betreuung über alle Lebenslagen seines "Klienten", z.B. Postwesen, Geldgeschäfte, Gesundheit, Aufenthalt etc.

Hat also ein Betreuer keine "Vormundschaft" was den Aufenthalt angeht, kann er nicht verfügen, dass seine Klientel in ein Heim kommt. Hat e rnicht die Betreuung über die Post, darf er die Post seiner Klienten auch nicht öffnen.

Hat er aber die Betreuung über den Aufenthaltsort seiner Klienten evtl. incl. der "Gesundheitsüberwachung" ..... kann er verfügen ( unter bestimmten, strengen Voraussetzungen) , dass in ein Heim umgezogen wird....egal, ob der Betreute einen Hund hat oder nicht oder 50 Kanarienvögel oder 387 Hausschweine.
Ein Haustier ist da kein Grund oder Hinderungsgrund. Auch nicht, ob sie den kompletten Haushalt noch alleine führen können. Dafür gibt`s eben Pflege- oder Haushaltshilfedienste (Putzhilfe, Essenauf Rädern etc. etc.). Nicht jeder Mensch, der nicht mehr in der Lage ist seinen eigenen Haushalt allein zu führen muss/kann so einfach in ein Heim gesteckt werden !

Daher vertehe ich nicht, was die Haltung von Chico mit einem evtl. Heimaufenthalt zu tun hat, oder ob die Beiden getrennt werden.

Ich vergesse die Menschen bestimmt nicht, aber denen kann jetzt niemand mehr helfen ! Dem Hund Chico schon !!

Und ob für die Zukunft daraus wirklich immer Lehren gezogen werden? Ich wage das zu bezweifeln.

P.S. Wurde übersehen ....
benchen
  • Begleithund
Beiträge: 903
Das kannste aber vergessen, daß da irgendeiner irgendeine Lehre draus zieht. Beim nächsten Fall dieser Art stellen sich sämtliche Zuständigen genauso saudämlich an. Genug Leute hatten die Finger dran. Und ? Nix. Nun ist das Geheule groß, wo der Hund sein Schicksal selber in den Mund nahm. Die Folgen sehen beim Stafford in der Tat anders aus als beim Chihuahua. Nur mit Abmurksen ist die Stadt Hannover unheimlich schnell bei der Hand. Sich vorher zu kümmern war nicht drin.
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20289
@ Feuerwolf

Den Begriff "Vormundschaft", der heute nur noch bis zur Volljährigkeit gilt, hatte ich fälschlich ins Spiel gebracht. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass in dem Haushalt auch zwischen 2011 und 2018 Menschen ein und aus gingen, die gegenüber einem Gericht Rechenschaft ablegen mussten. Beschwerden von Betreuern haben für mich einen anderen Stellenwert als die von privaten Pflegekräften, Putzhilfen oder Nachbarn. Und es ging nun auch um die Frage, ob der Hundehalter als solcher geeignet war. Das psychiatrische Gutachten von 2011 sprach dagegen, aber auch die gerichtliche Betreuung, denn die braucht nicht jeder junge Mann, nur weil er kleinwüchsig ist. Ob man seinem Hund körperlich überlegen ist, ist doch eher zweitrangig, solange der Hund mental die Führung respektiert. Aus den Gedanken, dass Hundeerziehung ein Zweikampf ist, sind wir doch wohl langsam rausgewachsen.

Was die Lernfähigkeit angeht, bin ich nicht so pessimistisch. Zwischen dem Vorfall in Hamburg im Jahr 2000, bei dem durch die Nachlässigkeit der Ämter ein Kind von Hunden getötet wurde, die schon längst nicht mehr bei ihrem Halter hätten sein dürfen, und Hannover 2018 sehe ich erfreuliche Unterschiede. Man gesteht seine Versäumnisse ein. Selbst bei den letzten Boulevardzeitungen ist angekommen. dass man die Ursachen nicht einfach nur in der Hunderasse, sondern in der Hundehaltung findet. Und damit hat man mMn eine konstruktive Basis, um solche Vorfälle tatsächlich irgendwann einmal auf ein Restrisiko zu beschränken. Tier- und Menschenschutz greifen an dieser Stelle eng ineinander. Wer Hunde davor bewahrt, von Menschen aus falschen Gründen (in diesem Fall tiefen Ängsten) unsachgemäss gehalten zu werden, schützt auch Menschen davor, zum Opfer dieser Hunde zu werden. Der junge Mann wollte einen "scharfen Hund", was auch immer er sich darunter vorgestellt hat, aber sicher keinen, der seine Mutter und ihn selbst tötet.
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